Lägerplats Järavallen – Lägerplats Lill-olas

Etappe 3:

Lägerplats Järavallen – Lägerplats Lill-olas

Nach dem langen Marsch am Vortag entschied ich mich, nur einen halben Tag zu marschieren und den Nachmittag zu entspannen. Das Wetter zog leider ein wenig zu, es regnete jedoch nicht. Die ca. 17km hatte ich dann auch bis zum Mittag hinter mich gebracht.

Das erste Teilstück um Häljarp herum war eigentlich gesperrt, weil eine Brücke eingestürzt war. Das habe ich aber erst an der eingestürzten Brücke selbst erfahren; die Strecke zuvor dem Fluß entlang war zwar schön, aber ich hatte keine große Lust, den Weg zurück und dann der Straße entlang zu gehen. Deswegen beschloss ich, auf den wackligen Trägern zu balancieren – was gar nicht leicht war. Trockenen Fußes konnte ich weiterwandern und Häljarp etwas zu Essen kaufen.

Danach ging es bis Landskrona der Straße entlang, was ich persönlich sehr schade fand; Landskrona selber ist aber ein kleines hübsches Städtchen mit toller Burganlage, an der der Weg entlang führt. Von da an führt der Weg der See entlang bis zum Lägerplats Lill-olas; wobei auch dort alles urban, also auf der Landseite zugebaut ist.

Der Lägerplats war zum Glück frei. Doch dann begann die seltsamste und gruseligste Zeit auf diesem Trip…

Das Laub in den Bäumen raschelte im Wind. Das Schilf an der Küste wogte im Rhythmus der Brandung hin und her. Der Himmel am Horizont war bedeckt und Wolken verdunkelten die Sonne je länger je mehr. Die Luft schmeckte salzig und feucht.

So verging der Nachmittag, den ich hauptsächlich mit Schreiben verbrachte. Gegen Abend verspeiste ich genüsslich eine Dose Thunfisch. Einen Teil des Shelters habe ich gemütlich mit meinen Sachen ausgelegt; Schuhe, Klamotten, Equipment – alles sollte mal gut auslüften.

Gegen den Abend, als die grauen Regenwolken den ganzen Himmel bedeckten und das schwächer werdende Licht der Sonne kaum mehr durchdrang, hörte ich im Halbschlaf Schritte auf dem Kiesweg vor dem Shelter. Ich erwartete einen weiteren Wanderer, der zu später Stunde ein Obdach sucht. Langsam öffnete ich die Augen einen Spalt weit und erkannte lediglich einen Schatten, der sich langsam auf mich zubewegte. Kurz vor dem Shelter erkannte der Schatten auch mich und drehte ab, hin zu der Bank an der Grillstelle. Dort setzte er sich hin und verweilte. Zwischendurch schlich er aus meinem Sichtfeld um den Shelter. Ich sank zurück in einen seltsamen Halbschlaf…

Einige Zeit später hörte ich erneut Schritte. Mittlerweile war es gegen 23:30. Die Schritte kamen erneut nah an den Shelter heran. Es waren dieses mal jedoch Schritte von mehreren Paaren Füße. Ich schaute auf, sah aber nur ein grelles Licht. Sie leuchteten in den Shelter und mir frontal ins Gesicht. Als das Licht endlich abdrehte erkannte ich einen Mann und zwei Frauen mit orangen Warnwesten. Grannsamverkan. Bürgerwehr.

Wo ich herkomme. Wer ich bin. Was ich hier will. Kreuzverhör. Überrascht und verunsichert erzählte ich, dass ich auf dem Skåneleden Richtung Norden wandere und hier übernachte. Die Situation entspannte sich. Sie fragten mich, ob alles gut ist und wünschten mir viel Spaß. Erster Schock für diese Nacht überwunden. Die Grannsamverkan zog weiter.  Mittlerweile bereute ich es, nicht im Zelt übernachtet zu haben. Doch jetzt war es zu dunkel. Ich fiel wieder in den bekannten Halbschlaf.

Nicht viel später hörte ich zum dritten Mal in dieser Nacht Schritte. Erneut öffnete ich die Augen. Der Schatten kehrte zurück. Er schaute in den Shelter, ging auf die Bank zu und setzte sich. Er betrachtete den hellen Mond am Himmel und das Meer. So war der Schatten gar nicht mehr so gruselig. Ein kleiner, schon etwas älterer Typ. Kurze ungepflegte Haare, Bomberjacke, keine Hose.

Keine Hose. Mit seinem blanken Hintern saß der Mann auf der Bank vor meinem Shelter. Langsam öffnete ich mein Taschenmesser neben dem Schlafsack. Mein Deospray stand auch bereit. Ich war gewappnet. Nichts passierte. Die Zeit verstrich wie in Zeitlupe und ich hoffte, dass der Typ wieder verschwand. Als ich wieder aufwachte, war die Sonne schon am aufgehen. Der Typ war weg.

So schnell es ging, packte ich meine Siebensachen zurück in den Rucksack; nichts fehlte. Ich begab mich auf die nächste Etappe, froh, dass doch alles gut ging.

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